Al-Fahidi-Fort: Dubais Untergrund-Museum

•15. Oktober 2011 • 1 Kommentar
Al-Fahidi-Fort: der große Wachturm

Al-Fahidi-Fort: der große Wachturm von ca. 1787

Vor Überfällen war man am Persischen Golf nie sicher. Die kleinen Küstenorte verbarrikadierten sich angesichts räuberischer Nachbarn und beutehungriger Piraten folgerichtig hinter Mauern aus Lehm, Korallensteinen und Muschelkalk und hielten Türme als Ausguck besetzt. Zentrum der Befestigung des alten Dubai ist das Al-Fahidi-Fort aus der Zeit kurz vor 1800.

Mittlerweile ist es dass älteste Gebäude des gesamten Emirats und wird netterweise erhalten und als – didaktisch wirklich gut aufgebautes – Museum genutzt.

Vor Entdeckung der Ölquellen war der Ort am Dubai Creek ein staubig-heißes, verschlafenes Nest. Haupteinnahmequellen: Handel (Freihandelszone seit 19o1!) und die Perlenfischerei. Scheich Maktum bin Hascher soll um 1900 gerade mal hundert Bewaffnete aufgeboten haben können – in der Regel Einwohner, die ihre Flinten immer griffbereit hatten (man kann ja nie wissen, siehe oben).

Politisch hatte man auf die richtige Karte gesetzt sich zusammen mit den Nachbarscheichtümen vertraglich mit dem Britischen Weltreich verbunden. Familienmitglieder, denen der prowestliche Kurs nicht passte, wanderten auch schon mal ins Fort, bevor sie ins Exil abgeschoben wurden.

Als Großbritannien das Emirat schließlich 1971 in die Unabhängigkeit entließ, suchte die Regierung nach einem gemeinsamen historischen Symbol. Angesichts des mit dem Ölreichtum einhergehenden Baubooms war außer dem 41 x 33 Meter messenden Fort nicht mehr viel an historischer Bausubstanz übrig, also wurde es flugs zum Museum erklärt. Ausstellungsstücke waren ein paar Kanonen ein „Windturm“ (eine Art natürliche Klimaanlage) und das Fort selbst mit seinen eindrucksvollen, metallbeschlagenen Türen, zum Teil auch mit Dornen gegen allzu aufdringliche Besucher.

Das Museum mitten im Stadtverkehr litt jedoch zunehmend unter den Erschütterungen der vorbeibrausenden Lkw. Mitte der 80er Jahre entschied Scheich Raschid bin Said Al Maktum, das Museum einfach unter die Festung zu verlagern.  1987 war Wiedereröffnung, eine weitere Sanierung fand 1994 statt. Heute geht es nach einer fünf bis zehn Minuten-Runde durch den Innenhof in den Untergrund. Auf den 12,5 Meter hohen Hauptturm oder die Brüstung darf man leider nicht.

Das Untergeschoss ist üppig ausgestattet. Dort hat man mal eben einen historischen Souq nachgebaut, die Stände in Originalgröße mit viel Liebe zu Details und Gesichtszügen.

Eine Werft mit Spanten in Originalgröße gibt’s ebenso wie eine Perlentaucher-Szene. Dabei ist die lebensgroße Taucherfigur auf Höhe der Besucher dabei, den Grund nach Muscheln abzusuchen, während an der Decke in vier bis fünf Metern Höhe die Unterseite seines Bootes zu sehen ist. Das ganze ist auch noch in dezentem blauen (Untersee-)Licht gehalten.

Perlentaucher-Figur "bei der Arbeit"

Perlentaucher-Figur "bei der Arbeit"

Dazu kommt ein Filmchen über die Geschichte Dubais und Informationen über Tiere in der Wüste und archäologische Funde.

Für Ausländer und Einheimische dürfte das gleichermaßen anschaulich und interessant sein. Die Infotafeln beschränken sich auf das Notwendige. Wer durch ist, kann im Museumsshop goldfarbene Kamele oder Kugelschreiber mit Scheich-Konterfei erstehen. Eher Empfehlenswert ist allerdings der günstige Cola-/Wasserautomat kurz vor dem Ausgang, denn hinter der Tür warten wieder das schweißtreibende Klima und der wuselige Verkehr.

Gut 200 Meter weiter befindet sich übrigens die Anlegestelle der kleinen Holzboote, die zur anderen Seite des Creek übersetzen, wo der echte Souq liegt.

Lage: Dubai-Stadt, zwischen Ali Bin Talib und al-Fahidi Road

Link: Eine eigene Homepage scheint das Dubai Museum nicht zu haben. Es gibt Wikipedia-Artikel. Etwas ausführlicher als der deutsche ist da der englische Eintrag.

Fotos: Meine (Anklicken zum Vergrößern)

Schloss Hülchrath – Wo Wikinger und Werwölfe wüteten

•23. September 2011 • 1 Kommentar
chloss Hülchrath: Der Turm ragt hoch in den niederrheinischen Himmel

Schloss Hülchrath: Der Turm ragt hoch in den niederrheinischen Himmel

Die Wikinger sind schuld. Die beutehungrigen Normannen schipperten in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhundert immer wieder den Niederrhein hinauf und hinunter. Gelegentlich überwinterten die Schwertträger auch in der Gegend. Angenehmer als in ihrer Heimat wars im Dauernieselregen des Trauerweidenlandes zwischen Xanten und Neuss allemal. Für die Bevölkerung war das nicht so lustig. Die flüchtete in eilends errichtete Turmhügelburgen auf den wenigen natürlichen Erhebungen oder künstlichen Inseln.

Eine dieser so genannten Motten war (vermutlich) der Vorläufer von Schloss Hülchrath: heute eine Burg mit kleinem Biergarten bei Grevenbroich, etwa zehn Kilometer westlich von Düsseldorf.

Der örtliche Graf baute dann die erste Holzbefestigung des Fleckens Holkerode zu einer Verteidigungsanlage aus Stein aus. Schon 1120 werden die Gebäude am Gillbach als „sehr stark befestigte Burg“ erwähnt. Die Anlage wechselte in der Folgezeit häufig den Besitzer. 1275 heiratete Dietrich Luf I. Lisa, die Witwe des Grafen Heinrich von Kessel aus Grevenbroich. Unter seiner Herrschaft erhielt der Ort Hülchrath Stadtrecht. Sohn Dietrich Luf II. verkaufte das Schloss 1314 an den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg für 30.000 Pfund Silber.

Damit wurde die Burg allerdings auch in die diversen Händel der selbstbewussten Kölner Erzbischöfe hineingezogen. Sie stand an der Grenze des Kölner Territoriums und war damit strategisch wichtig. Kurz dahinter begannen die Lande der Grafen zu Jülich-Kleve-Berg. 1323 kamen daher Burgwälle und ein Graben hinzu. Als Baumaterial nutzte man unter anderem kurzerhand Grabsteine des Kölner jüdischen Friedhofs. Das hat zur Folge, dass heute an den Erkern jüdische Schriftzeichen eingeritzt sind.

Für 1499 ist eine vergebliche Belagerung durch die Herzöge von Jülich belegt. Übler für Schloss Hülchrath endete der Versuch des Erzbischofs Gebhard I. von Waldburg, zu den Protestanten zu wechseln und Erzbischof zu bleiben. I, dadurch ausgelösten Truchsessischen Krieg wurde die Burg 1583 beschossen und nach siebentägiger Belagerung eingenommen. Das Schloss trug schwere Schäden davon, der völlig zerstörte Ort Hülchrath wurde erst 30 Jahre später in einiger Entfernung neu gegründet.Die Zwischenzeit nutzte man für diverse Hexenprozesse.

Der Biergarten direkt am Burgturm

Der Biergarten direkt am Burgturm

Das machte der Obrigkeit solch einen Spaß, dass die Verfahren auch noch in den ersten zwölf Jahren des Dreißigjährigen Kriegs weitergingen. 1608 wurde das Schloss nochmals ausgebaut, diesmal im Renaissance-Stil. Doch der Krieg brachte der Burg wieder mehrere Belagerungen und Zerstörungen ein, unter anderem durch eine Beschießung 1642.

1687/88 machten sich dann während des französisch – niederländischen Krieges Truppen des Fürstbischofs von Osnabrück in der verfallenden Anlage breit und schleiften die Befestigungsweke.

Die Herrschaft der Kölner Erzbischöfe ging in Hülchrath dann 1794 mit dem Einmarsch der Franzosen endgültig zu Ende. Der Kirchenbesitz wurde verstaatlicht und Schloss Hülchrath 1803 für 4.929 Francs von der Familie von Pröpper gekauft. Die bewohnte das Schloss bis ins Jahr 1900, bis auch die Nachfahren der Käufer verstorben waren. Besitzerwechsel folgten.

Das Schloss vor 1583

Das Schloss vor 1583 (Bild: Wikipedia)

Zuletzt machte sich Graf Rudolf von Bennigsen 1907 an den Ausbau. 1912 bekam der Schlosshof einen neoromanischen Innentrakt. Weiter Ausbauarbeiten verhinderte der Erste Weltkrieg.

Die Nationalsozialisten mit ihrer Vorliebe für trutzige, alte Gemäuer richteten 1937 eine „Reichsbauernschule“ in der Burg ein. In der Endphase des Krieges sollen hier Guerillakämpfer für die Organisation Werwolf ausgebildet worden sein.

Bekannt ist, dass die Burg im Frühjahr 1945 als Hauptquartier für SS-“Obergruppenführer“ Karl Gutenberger diente. Vermutlich wurde von dort aus die Ermordung des von den US-Truppen eingesetzten Aachener Bürgermeisters Franz Oppenhoff vorbereitet.

1947 wurden in den Mauern rund 600 Vertriebene untergebracht. Die heutigen Besitzer, die Familie Wennmacher, kaufte die Burg dann 1955.

Seit etwa acht Jahren ist die Gastronomie verpachtet. Die Homepage der Burg verspricht:
Die Ruine bietet Raum für tolle Feste in frischer Luft oder im beheizten Veranstaltungzelt. Die tief gelegenen Kasematten bieten ein uriges Flair, hervorragend als Party-Location oder Dinnersaal geeignet. Die Möglichkeiten auf Schloss Hülchrath sind nahezu grenzenlos: vom 10 Personen – Live – Cooking mit Butlerservice bis hin zu Großveranstaltungen bis zu 8.000 Personen„.

Ich fand den Biergarten zwischen Burgturm und Wasserlauf ganz urig, eine Butler habe ich allerdings nicht gesehen…

Regelmäßig wird ein „Ritteressen“ angeboten. Der Biergarten hat vom 1. Mai bis 1. Oktober geöffnet: wochentags (außer Montag) ab 17 Uhr, samstags ab 14 Uhr,
sonn- und Feiertags ab 10 Uhr. Der Burghof mit seinen verfallenen, efeuumrankten Mauern ist nur für Veranstaltungen geöffnet.

Es gibt sogar einen eigenen Youtube-Kanal mit viel Mittelalter-Gedöns.

Wohnungen in der Vorburg (einem neben der Burg liegenden Gebäudeflügel) werden gerade denkmalgerecht saniert. In der Vorburg arbeitet auch der Künstler Matthias Hinz.

Burg-Homepage: www.schlosshuelchrath.com

Lage: Schloss Hülchrath, 41516 Grevenbroich

Quellen: Zur Historie siehe „Das Leben der Bürger in Hülchrath“ von Werner Amian in den Unterlagen zum Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ (der heute „Unser Dorf hat Zukunft“ heißt, und den Hülchrath regelmäßig im Rhein-Kreis Neuss gewinnt). Es gibt auch eine kurze Schlosschronik.

Fotos: Meine (Anklicken zum Vergrößern)

Der klotzige U-Boot-Bunker von Saint-Nazaire

•19. Juni 2011 • 1 Kommentar
St. Nazaire: Der Bunker bot 14 U-Booten Platz

Saint-Nazaire: Der Bunker bot 14 U-Booten Platz

Die deutsche Besatzung 1941-1944/45 hat in Frankreich massive Spuren aus Beton hinterlassen. Geradezu monströs wirken die fünf gewaltigen U-Boot-Bunker in Brest, Lorient, Saint-Nazaire, La Rochelle und Bordeaux: Die wichtigsten Stützpunkte der Schlacht im Atlantik.

Die Kriegsgeschichte von St. Nazaire ist besonders blutig: 1940 versenkte die Luftwaffe vor der Stadt den als Truppentransporter genutzten britischen Passagierdamper Lancastria (rund 4000 Opfer). 1943 griff ein alliiertes Kommandounternehmen den Hafen an (Operation Chariot). Über 200 Tote und eine gesprengte Schleuse waren die Folge.

Durchblick im Bunker

Durchblick im Bunker

Die deutschen Besatzer machten den Handelshafen an der Loire-Müdung zur Festung. Mehrere tausend Arbeiter der Organisation Todt zogen zwischen Januar 1941 und Dezember 1942 den ca. 300 x 130 x 18 Meter messenden U-Boot-Bunker und diverse Nebengebäude hoch. 480.000 Kubikmeter Beton wurden verbaut. Im Innern der Bunker wurde eine regelrechte U-Boot-Werft eingerichtet. Die Anlage ist heute frei zugänglich.

Während heute in anderen U-Bootbunker der Atlantikküste entweder immer noch das Militär das Sagen hat (Brest) oder Bootsschrauber und Fischer die „U-Boot-Garagen“ okkupiert haben, stehen die riesigen Räume in St. Nazaire fast gänzlich leer – was den Bunker noch beeindruckender macht. Es ist ein bisschen so, als ob im nächsten Moment „Das Boot“ einlaufen könnte (wird es nicht, Drehort für die Bunker-Szenen war La Rochelle).

Bunker-Kunst

Bunker-Kunst

Die Akustik und die spartanisch-gigantische Optik (nur hohe Bunkerwände, endlos lange Durchgänge und plätschernde Becken) schreien geradezu nach Kunstaktionen und Konzerten, die auch stattfinden. Beim Umbau 2007 wurde ein Veranstaltungssaal für 600 Personen eingerichtet.

Die Anlage ist allerdings weitgehend nicht mehr im Ursprungszustand: „Leider hat man zur Vorbereitung des Umbaues als Touristenattraktion den Bunker nicht nur total entkernt, sondern auch einige Rückwande eingerissen, so dass das Bauwerk im Original heute nicht mehr zu sehen ist„, heißt es auf der Seite Deutsches Atlantikwall-Archiv (wo auch diverse Fotos zu sehen sind).

U-Boot-Becken

U-Boot-Becken

Der Stahlbeton ist auch nicht mehr in bestem Zustand. Überall sind Löcher, die Stahlarmierungen liegen frei und rosten in der salzigen Seeluft vor sich hin. Sanierungs-Versuche sind nicht erkennbar. Ich fürchte, in ein paar Jahren wird die örtliche Bauaufsicht nicht umhinkommen, die Anlage zu sperren.

Für die NS-Marine war der Hafen höchst attraktiv, da er als einziger an der Atlantikküste über ein Dock verfügte, das Schiffe von der Größe der Bismarck hätte aufnehmen können. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für den Krieg im Atlantik. Unter anderem gegen dieses Dock richtete sich das britische Kommandounternehmen von 1943.

Der Schleusenbunker

Der Schleusenbunker (mit U-Boot Espadon)

Aufgrund der Marinebasis wurde die Stadt durch die Alliierten immer wieder angegriffen. Die an den Hafen grenzenden Wohnviertel mussten nach dem Krieg so gut wie komlett neu aufgenaut werden.

Angesichts der immer schwereren Bomben-Kaliber baute die Orgnaisation Todt massive „Betonfangroste“ auf dem Dach auf, die das vier bis fünf Meter dicke Betondach noch widerstandsfähriger machen sollten. Bomben mit Aufschlagzünder sollten so zur Explosion gebracht werden, bevor sie das eigentliche Bunkerdach erreichten. Man kann das heute noch gut erkennen.

Die Hafenseite des Werftbunkers

Die Hafenbeckenseite des Werftbunkers

Angesichts der starken Schwankungen zwischen Ebbe und Flut konnte der Hafen nur durch eine Schleuse angefahren werden. Da aber in der Schleuse „festsitzende“ U-Boote ein leichtes Ziel sind, bauten die Deutschen einen nicht minder gigantischen Schleusenbunker, von dessen Dach man heute einen  prima Blick über das Hafenbecken und auf den gegenüberliegenden U-Boot-Bunker hat.

St. Nazaire war übrigens der letzte Stützpunkt in Frankreich, der kapitulierte. Bis zum 11. Mai 1945 ließ sich die Besatzung damit Zeit.

Jahrzehntelang wussten die Franzosen nicht so genau, was sie mit dem vor sich hin bröckelnden Betontrumm anfangen sollen, das ihre Innenstadt wie ein breiter grauer Riegel vom Hafen abschneidet.

Mittlerweile ist der Koloss Teil des Konzepts „Ville Port“ des katalanischen Architekten Manuel de Sola, das Stadt und Hafen zusammenführen soll. Nun ja, Konzept hin oder her, ich habe so den Eindruck, dass der Riesenbunker trotz Schifffahrtsmuseum, diverser Infotafeln und einer überflüssigen, sanft ansteigenden Rampe zum Bunkerdach ein klotziger, wenn auch höchst eindrucksvoller Fremdkörper bleibt.

Die Landseite des U-Boot-Bunkers

Die Landseite des U-Boot-Bunkers

Zu besichtigen gibt es folgendes:

- Den kleineren Schleusenbunker (mit U-Boot Espadon). Der Besuch der Dachterrasse ist kostenlos, Innenräume kosten Museums-Eintritt.

- In einem Extrabau ist das Stadtmuseum Ecomusée untergebracht.

- Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafenbeckenslieg liegt der Bunker mit 14 U-Boot-Liegeplätzen und dem Passagierdampfer-Erlebnismuseum Escal’Atlantique. Die Bunker-Besichtigung und der Besuch der Dachterrasse sind kostenlos.

Ich empfehle dringend, in einem der kleinen Restaurants am Hafen Fisch zu essen!

Lage: 44600 Saint-Nazaire, Frankreich, Boulevard de la Légion d’Honneur. Parkplätze z.B. neben dem Schleusenbunker an der Avenue de la Form Écluse.

Fotos: Meine

Die Wartburg bröckelt: 3,8 Millionen Euro sollen helfen

•18. Juni 2011 • 1 Kommentar
Wartburg mit eingerüstetem Bergfried

Wartburg mit eingerüstetem Bergfried

Erinnerungsfotos von der Wartburg haben im Moment einen Schönheitsfehler: Gerüste und Planen am Bergfried stören die Burgenromantik-Idylle. Gerade ist der Bergfried (bzw. der Nachbau von 1857) eingerüstet. Nur das charakteristische goldfarbene Kreuz lugt oben heraus. Aber auch an anderen Stellen des Weltkulturerbes (seit 1999)  wird noch bis Ende 2013 gewerkelt.

Grund ist letztlich die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2009 und das durch sie angestoßene Konjunkturprogramm. Aus den Mitteln landen 3,8 Millionen Euro (je zur Hälfte von Bund und Land) bei Thüringens Vorzeige-Burg.

Ein Riesenplakat am Bergfried-Gerüst erzählt die Geschichte des Baus

Ein Riesenplakat am Bergfried-Gerüst erzählt die Geschichte des Baus

Das Problem sind die am Fuß bis zu vier Meter dicken und zehn Meter hohen Grundmauern, die zum Teil schon 800 Jahre auf dem Buckel haben. Zu schaffen machen dem Gemäuer Pflanzenwurzeln, die eine ungeahnte Sprengkraft entwickeln können, und eindringendes Regenwasser. Eine fatale Kombination, der selbst massivste Mauern auf Dauer nichts entgegenzusetzen haben. Das traditionelle Hilfsmittel „Maueranker“ kann da nur einige Jahre überbrücken – am Ende wird alles nur noch schlimmer. Zurzeit ist besonders die Südflanke der Burg betroffen.

Die Wehrmauern selbst bestehen keineswegs durchgehend aus Mauerwerk. Um Material einzusparen, setzten die mittelalterlichen Baumeister gerne eine Mauer vor eine Felswand und füllten den Zwischenraum mit Erde und Geröll. Gerne wurde dort auch Bauschutt vergraben. Dummerweise zogen chemische Verbindungen aus dem Schutt ins Mauerwerk und machen den Steinen nun zusätzlich zu schaffen. Teile der südlichen Zinnen drohten bereits abzustürzen. Letztlich müssen nun sämtliche Wehrmauern saniert werden. Die Außenmauern des Palas sind glücklicherweise bereits 1993 bis 1997 entsprechend behandelt worden.

Im Burghof sind die Arbeiten kaum zu merken

Im Burghof sind die Arbeiten kaum zu merken

Das Vorhaben ist in 15 Abschnitte gegliedert, ein Mal rund um die Burg. Allein für die Wehrmauer-Sanierung sind 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

Spätenstens 2017 soll die Anlage in neuem Glanz erstrahlen: Dann feiert Thüringen 500-jähriges Reformations-Jubiläum. Auf der Wartburg soll aus diesem Anlass eine große Luther-Ausstellung gezeigt werden. Zur 500. Wiederkehr des Jahres von Martin Luthers Bibel-Übersetzung dauert es dann auch nicht mehr lange: Sie jährt sich 2021. Die Wartburg-Sanierung war immer auch eine hochpolitische Angelegenheit, im „Luther-Jahr“ 1983 sonnte sich die DDR Prominenz im Glanz der herausgeputzten Anlage.

Angesichts der anstehenden Jubiläen dürfte auch das Reizthema der angedachten Seilbahn zur Wartburg wieder hochkochen. Die Unesco verlangt ja glücklicherweise regelmäßiges „Reporting“ über Entwicklungen, die den Welterbe-Status gefährden könnten…

Links:
„Sanierung sämtlicher Wehrmauern auf der Wartburg“
, Thüringer Allgemeine, 09/2010.
Löchrige Wehrmauern werden saniert„, Ost-Thüringer Zeitung, 07/2010.

Bilder: Meine (Anklicken zum Vergrößern)

Hampton Court: Zu Gast bei der Hochzeit des königlichen Frauenmörders

•28. April 2011 • 1 Kommentar
Gestatten: Heinrich, der Achte, und Kateryn Parr

Gestatten: Heinrich, der Achte, und Kateryn Parr

Alle reden über die Traumhochzeit von William und Kate. Da beschäftige ich mich lieber mit der Vermählung eines üblen Vorgängers des Windsor-Sprosses vor 468 Jahren.

Die Briten feiern ja gern monarchische Jubiläen (100 Jahre Queen Mum, 408. Todestag von Queen Elisabeth I., etc.). Einer dieser Tage führte dazu, dass ich bei einer königlichen Hochzeit auf Schloss Hampton Court (südwestlich von  London) dabeisein durfte – fast ein halbes Jahrtausend, nachdem das Ereignis stattgefunden hat.

Gefeiert wurde 2009 der 500. Jahrestag der Thronbesteigung von Heinrich VIII. Dabei gab es diverse Veranstaltungen in und um die Hauptstadt. Unter anderem stellten Schauspieler die Eheschließung zwischen dem notorischen Gattinen-Verschleißer und seiner letzten Gemahlin Kateryn (Cathrine) Parr nach. Und das alles am historischen Ort, dem Schloss Hampton Court. Wer vom Publikum wollte, konnte ebenfalls in einen historischen Umhang schlüpfen und wahlweise dem Pulk um den Bräutigam oder der Familie der Braut folgen.

Von den Royals lernen: König und Nachwuchs

Von den Royals lernen: König und Nachwuchs

So bekam man mit, wie Kateryn ihr Brautkleid aussuchte und mit der Verwandtschaft über den Ruf ihres künftigen Gatten debattierte. Einige der vorherigen Hinrichtungen sollen ja nicht ganz koscher gewesen sein, wagt da jemand leise einzuwerfen. Ich bin da besser ein paar Schritte auf Distanz gegangen und hab mal nach den Wachen Ausschau gehalten.

Die Braut wischt das vom Tisch. Er liebt sie schließlich, hat er ihr gesagt (dass sie ihn am Ende überlebt, hatte aber wohl eher etwas mit seinem Alter und ihrer Jugend zu tun).

Die Schauseite von Hampton Court Palace

Die Schauseite von Hampton Court Palace

Lustigerweise gab es auch immer wieder Fragen aus den Reihen der Darsteller ans Publikum, was man denn von diesem und jenem hielte. Nicht ganz einfach, da höflich und einigermaßen ehrlich zu antworten, ohne in Gefahr zu geraten, hinterher den Kopf zu verlieren…

Die Hochzeitszeremonie bekam man nicht mit, durfte den frisch Vermählten aber gleich anschließend gratulieren. Anschließend lief das Hochzeitspaar noch länger im Schloss herum und posierte von seltsam blitzenden und surrenden Geräten. Kameras wären den beiden bestimmt wie ein ketzerischer Zauber vorgekommen, und ER hätte sie dem gemeinen Volk sicher verboten (und für den eigenen Hausgebrauch natürlich erlaubt).

Das Eingangstor von der Rückseite

Das Eingangstor von der Rückseite

Hampton Court ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ein repräsentatives Schloss der großen Höfe. Es gibt deren drei, umgeben von kamingespickten Fassaden. Letzteres galt im 16. Jahrhundert als ungeheurer Luxus, schließlich bedeutete es, dass jedes der 500 Zimmer eine Feuerstelle – also eine eigene Heizung – hatte. Im nasskalten Klima zwischen London und dem Ärmelkanal ein klarer Pluspunkt.

Als Schloss ausgebaut hat den Landsitz an der Themse der Erzbischof von York, Lordkanzler und Kardinal Thomas Wolsey. Dieser hatte allerdings das Pech, besagte Heinrich VIII. als Monarchen über sich zu haben. Der Tudorkönig war von dem Anwesen so angetan, dass er es 1525 für die Krone einkassierte.

Links die astronomische Uhr

Links die astronomische Uhr

Das Schloss war eins von Heinrichs Lieblings-Bauprojekten. Der voluminöse Bartträger steckte innerhalb von zehn Jahren 62.000 Pfund (nach heutigem Wert 28 Millionen Euro) in An-, Umbau und Renovierung.

Leider ist aus dieser Zeit nicht mehr viel im ursprünglichen Zustand erhalten: „Echt Tudor“ im Schloss sind eigentlich nur noch die Küche mit ihren 59(!) Räumen, die Kapelle und eine astronomische Uhr von 1540 im ersten Innenhof. Heinrich ließ auch bis heute erhaltene Tennisplätze anlegen, wo er zu trainieren pflegte, wenn gerade mal wieder eine Gattin den Kopf auf den Richtblock legte.

Hier soll es spuken: Der Korridor vor der Kapelle

Hier soll es spuken: Der Korridor vor der Kapelle

Das blutige Wüten des Königs führte dazu, dass das Schloss heute zu den bekanntesten Spuk-Orten in England zählt. Berühmtester Geist soll die 1542 hingerichtete, fünfte Königsgattin Catherine Howard sein. Zeugen wollen ihren Geist mehrfach gesehen haben, wie er in höchster Verzweiflung zur Kapelle läuft, um doch noch Gnade zu erwirken. Der Weg wird heute „haunted Gallery“, also etwa Spuk-Korridor genannt. Auch die getötete Gattin Jane Seymour soll hier umgehen.

Frauenmörder Heinrich VIII. starb übrigens offenbar mit sich völlig im reinen. Von ihm sind keinerlei Spukphänomene überliefert.

Spukt bestimmt nicht: Drache in einem der Höfe

Spukt bestimmt nicht: Drache in einem der Höfe

Bei meinem Besuch öffnete gerade eine kleine Fotoausstellung von passionierten Geisterjägern. Nunja, ich habe den starken verdacht, dass viel, was da zu sehen war auf übermässigen Zigarettenrauch oder Morgennebel zurückzuführen ist.

Auf meinen Langzeitbelichtungen aus dem langen „Spuk“-Korridor vor dem Kapelleneingang ist jedenfalls nichts Übernatürliches zu erkennen. Wer vor Ort mehr zu diesem Thema wissen will, es gibt eigene Ghost-Tours durch Hampton Court.

Nunja, hoffentlich bleibt wenigstens der neuen Windsor-Generation das Schicksal als tragisches Scheidungskrieg-Opfer und anschließender Leidenszeit als gehetzter Schlossgeist im Blitzlichtgewitter erspart…

Link:
Seite des Schlosses

Fotos: Meine

Schloss Chillon – Inselburg mit düsterer Vergangenheit

•20. April 2011 • 1 Kommentar
Blick aufs malerisch gelegene Châteaux Chillon

Blick aufs malerisch gelegene Château de Chillon

Eine Felseninsel in einem See nahe wichtiger Grenzen, Handelswege und Pässe. Eigentlich logisch, dass so eine Stelle schon früh befestigt wurde. Ein solcher Inselfelsen liegt wenige Meter vom Ostufer des Genfer Sees enfernt, umrahmt von Alpengipfeln: das schweizerische Chateâu de Chillon. Eine der malerischsten Lagen für eine Burg, die ich mir vorstellen kann. Der vielgereiste Lord Byron sah das offenbar auch so, schrieb ein Gedicht – und ließ gleich im Kerker sein Autogramm da.

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Veste Coburg – Die Fränkische Krone fiel durch eine Kriegslist

•17. April 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Nahe der Grenze zwischen Franken und Thüringen erhebt sich eine der mit 25.000 Quadratmetern größten und besterhaltenen Burganlagen Deutschlands: Die Veste Coburg, auch bekannt als Fränkische Krone.

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Burg Hochkraig und der Fluch des Hakenkreuzes

•16. April 2011 • Hinterlasse einen Kommentar
Die Burg mit dem Hakenkreuz-Problem: Screenshot von www.kleinezeitung.at

Die Burg mit dem Hakenkreuz-Problem: Screenshot von www.kleinezeitung.at

Hakenkreuz-Schmiereien kommen ja in den besten Gegenden vor. In der Regel hilft da ein Schuss scharfes Reinigungsmittel weiter. Auf Burg Hochkraig in Kärnten ist das Problem schon etwas größer. Und älter. Vor 77 Jahren, 1934, bemalten österreichische Nazis den romanischen Bergfried der Ruine mit einem riesigen und weithin sichtbaren, akuraten weißen Hakenkreuz. Es war das Jahr des gescheiterten Juliputschs. Der Aufstand hatte neben Wien auch in Kärnten einen Schwerpunkt.

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Okayama Castle: Japans einst goldene Krähenburg

•11. April 2011 • Hinterlasse einen Kommentar
Okayama Castle

Okayama Castle

Dass viele Japaner Neuschwanstein so faszinierend finden, könnte damit zu tun haben, dass in ihrem Mutterland nur wenige Burgen überdauert haben. Das wiederum liegt an der bevorzugten japanischen Burgenbauweise: Fundament und Grundmauern aus Stein, der Rest aus Holz. So entstehen natürlich auch stolze, repräsentative Landmarken – die sich nur dummerweise bereits beim kleinsten Brand in einen traurigen Haufen Asche verwandeln können.

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Der Kanonengraf, Festung Wilhelmstein und das einzige U-Boot im Heiligen Römischen Reich

•1. März 2011 • Hinterlasse einen Kommentar
Wo ist denn die Festung Wilhemlstein? Na, hinter der Bäumen.

Wo ist denn die Festung Wilhelmstein auf der Mini-Insel? Na, hinter der Bäumen.

Der Touristenkahn (mit Segel für die Optik) tuckert gemächlich vor sich hin, während die Wolken über dem Steinhudder bedrohliche Formationen bilden und die Insel Wilhelmstein nur quälend langsam größer wird. Was für eine blödsinnige Idee, in einem 1,50 bis drei Meter tiefen, eiszeitlichen Binnengewässer eine Insel aufzuschütten und auf diesem Matschklumpen auch noch eine Festung zu errichten. Und dann soll es da ja noch so eine Geschichte mit einem U-Boot von 1770 geben…

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Hambacher Fest: Bayern ausgetrickst

•28. September 2010 • 1 Kommentar
Das Hambacher Schloss im Gegenlicht

Das Hambacher Schloss im Gegenlicht

Die Geschichte der deutschen Demokratie begann mit dem Ärger über die Bayern. Die Regierung unter König Ludwig I. hatte 1830 gerade die Zensurschraube weiter angezogen, um ein Überschwappen der Juli-Revolution aus Frankreich in die beschauliche Rheinpfalz zu verhindern. Doch die Erinnerungen an die liberalere Zeit als Teil der französischen Republik/des Kaiserreichs (1801 bis 1815) waren im Südwesten noch quicklebendig. Und nicht nur da.

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