Nachts auf Schloss Kransberg
Jetzt weiß ich, warum das Hochtaunus heißt. Eine steile Privatstraße durch dichten Wald rauf, rein in die Haarnadelkurve und man steht auf dem Parkplatz von Schloss Kransberg. Privatbesitz. Leider nur bei Veranstaltungen und dem jährlichen Mittelaltermarkt zugänglich.
Das Rittergut nördlich von Frankfurt hat eine hochinteressante Geschichte, die stellvertretend für viele Schlösser/Burgen stehen könnte: 1250 erstmals urkundlich erwähnt, zahlreiche Besitzerwechsel. Kurmainzerisch, nassauisch, preussisch. Nach dem 30-Jährigen Krieg verfallen und im 19. Jahrhundert im Stil der Neo-Renaissance wieder aufgebaut. Privatbesitz und von den Nazis enteignet.
Im Krieg dienten die Gebäude als eines der diversen Luftwaffenhauptquartiere und als Erholungsheim für Offiziere. Teile wurden als Luftschutzbunker auch für die Zivilbevölkerung des Ortes eingerichtet, die Bunkertüren sind heute noch zu sehen. 1945 wurden hier auch Kriegsgefangene untergebracht. Am 30. März 1945 wurde der Ort von den Amerikanern befreit. Unter den einrückenden GIs befand sich auch ein emigrierter Jude aus Usingen-Kransberg, der die im Burg-Bunker sitzenden Einwohner beruhigte.
Anschließend requirierten die Amerikaner die Burg und nutzten sie als Sammellager für prominente Kriegsverbrecher.
Auch NS-Rüstungsminister Albert Speer saß hier vor dem Nürnberger Prozess kurzzeitig ein.
Ab 1956 zog eine Filiale des späteren Bundesnachrichtendienstes ins Schloss (die Schlapphüte hatten wirklich Geschmack!). Ihnen folgten wieder die Amerikaner und nach deren Abzug 1999 der Bund. Die Anlage wurde dann an die Erben der Alteigentümer verkauft. Heute gehört sie einem IT-Unternehmer. Die Räumlichkeiten und einige Büroräume sind zu mieten.
Durch die Lage auf einer steilen, waldreichen Felsklippe dominiert die Burg den Ort optisch. Ein tolles Fotomotiv, ich möchte da nur nicht im Winter hochfahren. Auf dem Bild leider nicht zu sehen: Der schöne Innenhof mit einem überdachten Fachwerk-Laufgang. Beim kurzen Besuch machen die Räume einen guten Eindruck: Den Rittersaal beherrscht ein riesiger Kamin, die sanitären Anlagen sind top. Ich war nur während der Nacht da und empfand die angestrahlte Fassade als äußerst beeindruckend. Und der Sternenhimmel über dem Parkplatz erst. Wow.
Wer mal dahin eingeladen wird, sollte es sich nicht entgehen lassen!
Ort: 61250 Kransberg-Usingen, ca. 35 km nördl. von Frankfurt/M.
Quelle: Informativer Wiki-Eintrag und die Burg-Homepage.
(Foto: Wikipedia/dontworry + Wappen von Kransberg)










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