Die berstenden Mauern von Burg Altena

burg_altena_steinschlag.jpgMalerisch sieht anders aus. Der Innenhof von Burg Altena im Sauerland ist seit Ende September aufgerissen, Besucher laufen knirschend durchs Kiesbett. Diverse Baustellenschilder und Absterrungen stehen herum. An den Burgmauern wird unübersehbar vor Steinschlag gewarnt.

Schuld ist das vermaledeite Regenwasser im Zusammenspiel mit Efeu und Frost. Das Efeu sorgt für Spalten im Mauerwerk. An einem Regentag sickern rund 12.000 Liter durch die Mauern. Und der Regen wäscht den Mörtel aus. Kann sich erstmal Wasser in den Mauern ansammeln, kommt es zu massiven Frostschäden.

2001 brach bereits ein tonnenschwerer Brocken aus den Außenmauern. Diese haben begonnen, sich an einigen Stellen bedrohlich nach außen zu wölben. Teile des Mauerwerks sind einsturzgefährdet.

Nun hat die Sanierung begonnen, die mehrere Millionen Euro teuer wird. Aktuell werden im Burghof Drainage-Kanäle verlegt. Zur Finanzierung gibt es u.a. eine Spendenaktion. Dabei kann man auch Burgpate werden und für 500 Euro symbolisch einen Quadratmeter des Burghofs erwerben.

Einmal ein Video-Rundblick über den Innenhof

altena_2.jpgDie Anlage aus dem Anfang des 12. Jahrhundert liegt auf einem Bergrücken über der Lenne und schützt den wichtigen Handelsweg für Metallwaren aus der Region. Sie ist Stammburg der Grafen von Altena, bzw. von der Mark, die allerdings schon Ende des 12. Jahrhunderts zu Burg Mark bei Hamm (am Hellweg) umzogen und die Burg in der Hand ihrer Dienstmannen ließen.

1225 geht Friedrich II. von Altena und Isenberg durch den Mord an seinem Vetter, dem Kölner Erzbischof Engelberg in die Geschichte ein, für den er im darauf folgenden Jahr hingerichtet wurde.

altena_sepia.jpg1455 brennt die Burg ab und wird notdürftig wieder aufgebaut. 1609, nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, fällt die Gegend an Brandenburg. Die Brandenburger legen eine kleine Garnison in die Burg.

Während der Friedensverhandlungen, am Ende des Dreißigjährigen Krieges hält sich Friedrich Wilhelm I., der Große Kurfürst, im Dezember 1647 einige Tage lang auf der Burg auf und empfängt Gesandte. 1670 richten die Brandenburger ein Invalidenhaus für Soldaten auf der Burg ein, die in den folgenden Jahrzehnten zu verfallen beginnt.

altena_3.jpgDa niemand das nötige Geld aufbringen will, beginnt nun beginnt zwischen preußischer Krone und Stadt ein Hin- und Her um die Burg, das mehrere Jahrhunderte andauern soll. Sonderliches Interesse hat man in Berlin nämlich nicht mehr an der Anlage.

1733 erklärt König Friedrich Wilhelm I., für die Burg im abgelegenen Westfalen “nit einen Kreuzer” ausgeben zu wollen. Der Burgkommandant schimpft 1770 über Regen und Sturm in seinem Schlafzimmer. Seit 1766 ist die Burg Sitz des “Criminalgerichts” für die Grafschaft Mark und eines Gefängnisses.

1771 kauft dann die Stadt Altena die Burg den Preußen für 500 Reichsthaler ab und richtet ein Armenhaus ein, das bis 1840 besteht. Das preußische Militär zieht ab. Die französischen besatzer verlegen Gericht und Gefängnis 1811 nach Werden.

altena_4.jpg1842 – in der aufkommenden Romantik – schenkt die Stadt die Burg dann wieder an’s preußische Königshaus. Und zwar an Friedrich Wilhelm IV (kein Wunder, dass in einem Raum der Burg die diversen Hohenzollern bis Wilhem II. mittlerweile in Öl hängen).

Der Monarch nimmt tatsächlich Geld in die Hand und beauftragt Vater und Sohn Schadow, rund um die Burg einen Park anzulegen. Der Park wird zwar angelegt, das Projekt scheitert jedoch an mangelnder Pflege. Die Burg wird dann noch ein halbes Jahrhundert als Johanniter-Krankenhaus genutzt.

Im 20. Jahrhundert macht sich das Engagement der Bürger bemerkbar. Der Bergische Burgenverein sammelt die erstaunlich hohe Summe von 600.000 Goldmark und beginnt 1907 mit dem Wiederaufbau. 1918 – rechtzeitig zum Zusammenbruch des Kaiserreichs – sind die Arbeiten abgeschlossen.

altena_5.jpg1912 zieht die erste ständige Jugendherberge der Welt in die Burg ein, die bis heute existiert (mittlerweile in der Vorburg – mit 55 Betten). Der ehemalige Jungenschlafsaal und der Speiseraum sind inzwischen Museumsräume.

Ein Stück weiter den Berg hinunter ist das Deutsche Drahtmuseum untergebracht (Motto: “Vom Kettenhemd zum Supraleiter”), dessen Besuch im Preis der Burgbesichtigung enthalten ist. Seit 1943 ist die Burg übrigens im Besitz des Märkischen Kreises.

Bei einem Rundgang kann man sich diverse Räume anschauen. U.a. auch den Kerker. Auch einer der Türme ist begehbar, allerdings nicht bis aufs Dach. Burgführungen gibt es meines Wissens nicht.

Nachtrag: Im Oktober 2007 hat die WDR-Lokalzeit Südwestfalen einen zweieinhalbminütigen Beitrag über den Beginn der Sanierungsarbeiten gebracht, der auch online verfügbar ist.

Quellen: Ausführliche Chronik der Burg als PDF, Burg-Homepage.

Lage: Fritz-Thomée-Str. 80, 58762 Altena

altena_6.jpgaltena_7.jpgaltena_8.jpgaltena_9.jpg

Bilder: Meine (November 2007)

~ von Jan am 17. November 2007.

4 Antworten to “Die berstenden Mauern von Burg Altena”

  1. War gestern bei schönstem Sonnenschein auf Burg Altena. Trotz massiver Sanierungsarbeiten immer wieder ein Erlebnis. Die neue Ausstellungskonzeption des Museums hat mich hingegen nicht überzeugt: ehemals eingrückliche Interieurs und Räume sind heute nur noch Staffage für eine konventionelle (viel zu teure)Vitrinienpräsentation der Museumsexponate. Schade, da hätte ich mir mehr mir erhofft. Aber, wer auf historistische Burgrekonstruktionen der Jahrhundertwende steht, kommt in Altena voll auf seine Kosten!

  2. Wie alt ist denn die Burg

  3. Hallo Lisa:
    Erbaut Anfang des 12. Jahrhunderts…

  4. muhaha

Einen Kommentar schreiben