Eitler Burgenbau-Boom in verschuldeten Städten
Burgen bringen Geld, Image und Touristen. Und was im Mittelrheintal und in Neuschwanstein klappt, muss doch auch anderswo funktionieren, sagen sich immer mehr findige Bürgermeister und PR-affine Heimatfreunde. Zurzeit erleben Burgen-Nachbauten einen wahren Boom. Diverse Städte wollen plötzlich „auch eine Burg haben“. Politiker sehen das leuchtende Beispiel Guédelon in Frankreich, wittern das Riesengeschäft (und die Wiederwahl der Bürgermeisters).
Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich finde es klasse, wenn Mittelalter-Initiativen wie Die neue Burg oder der Verein Mittelalter-Zentrum (Vechta) solche Mega-Projekte planen. Wogegen ich etwas habe, ist, wenn profilierungssüchtige Polit- und Museums-Funktionäre prompt nach Steuergeld krähen, um sich selbst ein Denkmal zu setzen. Gerade meldet „Der Westen“, dass das Archäologische Landesmuseum Herne in Westfalen bis 2010 eine Turmhügelburg bauen möchte.
Herne, ausgerechnet in Herne hat man Geld für solch ein Experiment? Eine Stadt, in der laut INSM-Regioranking 15 Prozent der Erwachsenen überschuldet sind, deren Lehrstellen-Angebot weit unter dem Bundesdurchschnitt dümpelt (Bundesweit: Platz 384) und deren eigene Schulden, 1163 Euro pro Einwohner ausmachen. Aber, wenn das Ruhrgebiet sich 2010 als Kulturhauptstadt Europas präsentiert, ist plötzlich Geld für Extravaganzen da.
Wie viele Steuergroschen hier offenbar verprasst investiert werden sollen, wird bislang ebensowenig verraten, wie der Plan der hölzernen Anlage – und was damit nach Ablauf des Kulturjahres passiert (Abriss?). Vielleicht könnten ja ein paar der 9554 arbeitslosen Herner (Quote im Januar 2009: 13 Prozent) als 1-Euro-Jobber zum Burgbau zwangsverpflichtet werden. Auf den mittelalterlichen Baustellen lief es damals ja genauso ab…
Österreichische Burgenbauer hoffen in solchen Fällen ja auf Europamittel, damit auch andere Länder ihren Spleen mitbezahlen dürfen.
Leute, baut eure Burge wo ihr wollt, aber verlangt nicht, dass in erster Linie der Steuerzahler dafür geradesteht! Wenn ihr nicht in der Lage seid, private Sponsoren zu finden, dann lasst es. Sorgt lieber für den Erhalt der existierenden Gemäuer, sie haben es bitter nötig.










Sorgt lieber für den Erhalt der existierenden Gemäuer, sie haben es bitter nötig.
DAS unterschreibe ich SOFORT!!
Das erinnert mich doch sehr an diese ganzen Staatshilfen für marode Großunternehmen… die garantiert schon vorher in den Miesen steckten und nicht erst seit dieser sogenannten Wirtschaftskrise. Aber so eine Krise ist ja immer gut, sich plötzlich als Opfer hinzustellen.
Das gleiche gilt dann für diese Burgbauten. Private Investoren soll man suchen und nicht für jeden Mumpitz Euro-Gelder bzw. Staatsgelder fordern.
Bin ja auch ein großer Burgenfan, aber sich „extra“ Burgen zu bauen, ist doch eine Ladung übertrieben.
Vor allen Dingen, wie du schon bemerkt hattest, werden die dann nach diesem „Kulturjahr“ mit SICHERHEIT abgerissen…