Im Londoner Tower: Jahrhundertelange Propaganda mit „Armada-Beutestücken“

•1. Dezember 2008 • 2 Kommentare
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Die Scavenger's Daughter (Tochter des Straßenfegers) in der Spanish Armory. Ein Foltergerät zum Fixieren von Hals, Händen und Füßen, was Krämpfe zur Folge hat.

„Mit diesen Hellebarden sollten Engländer aufgespiesst werden. Mit diesen Werkzeugen wollten die Spanier Häretiker foltern“. Solche Erklärungen bekamen junge Engländer zu höreh, die vor 300 Jahren einen Sonntagsausflug in den Tower machten (ja, das gab’s damals schon). Sie lernten dort das Hassen der katholischen Spanier, mit deren Konfession ihre protestantische Regierung gerade mal wieder im Clinch lag.

Seit etwa 1676 wurde Englands wichtigste Festung nicht nur als Bollwerk, sondern auch zur psychologischen Kriegsführung genutzt. Der Tower beherbergte ein frühes Museum, das auch die „Spanish Armory“ enthielt: Eine Sammlung angeblich bei der Vernichtung der Armada 1588 erbeuteter spanischer Waffen und Folterwerkzeuge, die nun der staunend-gaffenden Öffentlichkeit gezeigt wurden. Die Schau muss ein Riesenerfolg gewesen sein.

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Berliner Stadtschloss wird ab 2010 wieder aufgebaut – Ende 2013 soll es fertig sein

•29. November 2008 • 4 Kommentare
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Das Stadtschloss im späten 18. Jahrhundert. Bild aus Wiki, Urheberrecht abgelaufen

Das Berliner Stadtschloss entsteht erneut, und zwar nach den stark historisierenden Plänen des Architekten Franco Stella (65). Der Italiener gewann den Architektur-Wettbewerb mit 15:0 Stimmen. Der Palast der Republik ist bereits verschwunden. Artikel dazu finden sich u.a. bei Welt Online (bei Springer ist man pflichtgemäß begeistert), Spiegel-Online (neutral) oder auch mit kritischen Stimmen: n-tv.

Drei der vier Fassaden sollen möglichst originalgetreu wieder aufgebaut werden. Auch die Kuppel kommt zurück. Das Innere wird jedoch nicht rekonstruiert. Der ganze Komnplex formiert als Humboldt-Forum. Er soll knapp vier Jahren dann die außereuropäischen Sammlungen Berlins sowie die Zentral- und Landesbibliothek beherbergen.

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Wie Haus Kemnade das Ruhr-Ufer wechselte

•10. November 2008 • 2 Kommentare
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Haus Kemnade spiegelt sich im Wassergraben

Die Menschen des Mittelalters waren Naturkatastrophen schutzlos ausgeliefert. Vielfach wurden Erdbeben, Überschwemmungen, etc. als Gottesurteil angesehen.

1486 durchlitt das heutige Ruhrgebiet eine solche Katastrophe: Das ansonsten recht beschauliche Flüsschen stieg nach starken Regenfällen meterhoch über die Ufer und flutete durchs Ruhrtal. Die Gewalt der Flut war so mächtig, dass der Fluss teilweise seinen Lauf änderte.

Die einige Jahrzehnte zuvor auf der nördlichen Ruhrseite beim Dorf Stiepel erbaute Burg Kemnade fand sich plötzlich auf dem südlichen Ufer wieder. Stiepel, dessen Verwaltungs- und Gerichtssitz die Burg war (heute ist es ein Stadtteil von Bochum), lag aber immer noch am nördlichen Ufer.

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Amerikanische Geisterjäger auf Burg Frankenstein

•4. November 2008 • 15 Kommentare

Geisterjägerin Shannon Sylvia beim Fürchten in der Kapelle von Burg Frankenstein (Screenshot YouTube)

Ich muss es ja zugeben: Ich sehe schrecklich gern  US-Geisterjäger-Dokus. Die bestehen in der Regel aus ein paar zotteligen Nerds mit Koffern voller Hightech-Spielzeug plus einer hypersensiblen, extrem schreckhaften, wasserstoffblonden Moderatorin im stylishen Pimkie-Fummel. Irgendwer muss die Geister schließlich spüren.

Dann wird zu irgendwelchen Gebäuden mit vermeintlich gruseliger Vorgeschichte gefahren und das blonde Medium mitsamt Nerd-Technik in der Nacht in einem stockdüsteren Raum ausgesetzt. Unterlegt mit düsterer Musik und einer Grabesstimme, die die gar schröckliche Geschichte des Ortes vorträgt. Was passiert dann wohl…? Es dauert keine zehn Minuten, und das eingemummelte Blondchen gerät in der Dunkelheit in Panik, weil sie „etwas gehört/gesehen/gespührt hat“.

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Die Mumien-Hand von Schloss Hohenlimburg

•27. Oktober 2008 • 5 Kommentare

Schloss Hohenlimburg, gesehen durch ein paar Photoshop-Filter

Der Blitz, der in einer Sturmnacht des Jahres 1811 in den Bergfried von Schloss Hohenlimburg einschlug, hatte einen gruseligen Fund zur Folge. Im Gebäude war zunächst nichts mehr zu retten. Die Haube des alten westfälischen Burgturms fing Feuer. Lichterloh schlugen die Flammen aus dem Turm, in dem sich noch ein Archiv befand. Gut die Häfte des einst so stolzen Luginsland musste anschließend abgetragen werden.

Der Turm mit seinem Notdach fügt sich seitdem überhaupt nicht mehr in die Symmetrie der Anlage ein. Aber das wr damals egal. Zwischen den verhohlten Holzbalken und den Steinschichten stießen die Arbeiter beim Abbruch auf einen eingemauerten, menschlichen Überrest: Eine mumifizierte Hand, gut konserviert im Kalkmörtel.

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Adel, Burgen & Friedhöfe: Repräsentation nach dem Tod

•19. Oktober 2008 • 2 Kommentare

Kapelle auf Burg Hohenzollern - vorübergehender Standort der Särge Friedrichs des Großen und seines Vaters

Herrscher sind immer ein Politikum, auch nach ihrem Tod. Da die Zeit der Pyramiden zuende gegangen ist, stellt sich in hochadligen Kreisen seit jeher die Frage nach dem „Wohin mit dem Sarg?“ Man wollte ja noch ein gutes Stück der Ewigkeit in Erinnerung bleiben.

Da mittelalterliche Herrschaften sowieso einen Großteil ihrer Zeit auf Burgen verbrachten, lag es nahe, die sterblichen Überreste der geweihten Erde der Burgkapelle zu übergeben. Ein solcher Verteidigungsbau ohne Kapelle – und sei es auch nur eine Gebetsnische – war im Mittelalter schlicht undenkbar. Genutzt wurden meist Nebengebäude oder Erker, denn über dem Altar durften keine weiteren Räume liegen. Das wäre Frevel gewesen.

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Tour zu den Katharer-Burgen in den Pyrenäen: Die steinernen „Söhne von Carcassonne“

•10. Oktober 2008 • 5 Kommentare

Auf Burg Peyrepertuse

Burgen, die wie Vogelnester an steilen Felswänden kleben – Festungen, in die sich verfolgte Katharer flüchteten, während die gepanzerten Belagerer am Hang mit Kennermiene das Holz für die Scheiterhaufen zusammensuchten – die Überreste dieser Gemäuer wollte ich mir mal aus der Nähe ansehen. Glücklicherweise bietet der Billigflieger Ryanair fast täglich Flüge nach Carcassonne an. Allerdings starten diese erst ab dem Flughafen Charleroi („Brüssel-Sud“) in Belgien.

Also erstmal ca. 215 Kilometer hingefahren, Auto ins Parkhaus gestellt (15 Eur/Tag) und rein in den Flieger, wo jeder Service extra kostet. Naja. Pension und Mietwagen hatte ich von Deutschland aus reserviert. Netterweise wartete am Flughafen in Carcassonne berteits der Zubringerbus in die nahe Innenstadt (5 Eur, ca. 15 Minuten). Das klappte also schonmal gut.

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